Nationalismus, nicht Populismus, ist die reale Bedrohung der Demokratie

Populismus ist heute vielleicht das überbewertetste Konzept. Die Annahme, dass Populismus droht, demokratische Regime in Europa in den Medien und in der Akademie zu destabilisieren. Populismus, wie Kas Mudde argumentiert hat, ist nicht antidemokratische, sondern gegen liberale Demokratie. Es unterstützt das Ideal einer Mehrheit oder populären Demokratie auf Basis des allgemeinen Willens [...]
Populismus ist heute vielleicht das überbewertetste Konzept. Die Annahme, dass Populismus droht, demokratische Regime in Europa in den Medien und in der Akademie zu destabilisieren. Populismus, wie Kas Mudde argumentiert hat, ist nicht antidemokratische, sondern gegen liberale Demokratie. Sie unterstützt das Ideal einer Mehrheit oder Volksdemokratie, die auf dem allgemeinen Willen der Menschen basiert. Diese potenzielle Bedrohung für liberale Demokratien ist jedoch rein hypothetisch.
Es gibt eine aktuelle Welle von Populismus in Europa, und es gibt in vielen europäischen Ländern Druck auf liberale Freiheiten, aber ist Populismus eine wesentliche Ursache für diesen aktuellen Druck auf liberale Demokratien? Um Bedrohungen (oder Korrekturen sterben) gegen liberale Demokratien zu erkennen, ist es wichtig, statt angeblich die Auswirkungen des Populismus zu bewerten. Forschung zeigt, dass populistische Parteien bisher kaum Auswirkungen auf institutionelle demokratische Reformen in Westeuropa hatten. Mit Wahlsystemen in den überwältigenden Proportionalmehrheits- und Koalitionsregierungen, in denen populistische Parteien meist kleine Partner sind, bietet die beträchtliche Opposition gegen Prozesse, Parlamente und Zivilgesellschaften in ganz liberalen Demokratien in Westeuropa nachhaltige Kontexte.
Damit bleibt jedoch die Möglichkeit offen, dass Populismus eine wichtige Kraft bei der Einführung liberaler Regime in Ungarn, Polen oder Lateinamerika war und in Westeuropa wachsen und zu einer solchen Kraft werden kann. Meine Argumente zur Untersuchung der möglichen Auswirkungen des Populismus auf liberale Demokratien sind allgemeiner.
Erstens ist Populismus keine wesentliche Ideologie von Parteien oder politischen Bewegungen in Europa. Weder die populistischen Parteien noch ihre Wähler neigen dazu, den Fragen der demokratischen Reform viel Gewicht zu verleihen. Die Unzufriedenheit mit der Politik ist ein Seitengrund für die Wähler in Westeuropa, radikale rechtsgerichtete Parteien zu wählen und keine Rolle dabei zu spielen, sie zu motivieren, die linken populistischen Parteien zu unterstützen. Genau wie ihre Wähler messen die populistischen Parteien den Fragen der demokratischen Reform nicht viel Bedeutung bei. Für radikale rechtspopulistische Parteien sind beispielsweise Vorschläge zur Einführung direkter Formen der Demokratie oder zur Reform der Justiz in der Regel ein Instrument für Antimigrationspolitik und Sicherheitsfragen. Nationalismus und Autoritarismus sind für diese Parteien weitaus wichtigere ideologische Quellen als Populismus. Für die linkspopulistischen Parteien bleibt abzuwarten, ob sie versuchen, liberale Demokratien in Volksdemokratien zu reformieren oder nicht.
Zweitens sind nicht alle populistischen Freitage gegen liberale Demokratie. Einige Parteien sind einfach rhetorisch populistisch. So gilt beispielsweise die niederländische Sozialistische Partei (SP) als populistische Partei. Natürlich war die Partei oft gegen gute Menschen mit korrupten Eliten wie Banker, aber die SP engagiert sich auch für eine liberale Demokratie. Dies steht im Gegensatz zur rechtsradikalen Partei für Freiheit (PVV) von Geert Wilders, die nicht nur rhetorisch populistisch ist, sondern auch wenig Hingabe an die liberale Demokratie zeigt.
Drittens beschränkt sich der Druck auf liberale Demokratien nicht auf populistische Parteien. Politische Vorschläge und legislative Initiativen, die mit den Grundfreiheiten angespannt oder ignoriert werden, kommen ebenfalls von der Hauptpartei. Vergleichende systematische Forschungen fehlen noch, aber in den Niederlanden wird deutlich, dass sich die Politik, die mit der Rechtsstaatlichkeit in Konflikt steht, nicht auf populistische Parteien beschränkt.
Der systematische Vergleich von Wahlplakaten zeigt, dass die wichtigsten Rechtsparteien zunehmend auch dazu neigen, politische Maßnahmen zu unterstützen, die die Grundrechte auf die politischen Ziele wie die Einschränkung der Einwanderung und die Verbesserung der Sicherheit legen. Mit anderen Worten: Die gemeinsamen Treiber sowohl populistischer Parteien als auch nicht populistischer Parteien, die Grenzen der Rechtsstaatlichkeit zu suchen oder darüber hinauszugehen, sind Einwanderungs- und Sicherheitsbedrohungen. Wenn es heute eine Ideologie gibt, die liberale Demokratien bedroht, sind Nationalismus und Autoritarismus viel mehr Kandidaten als Populismus.












